• Natalia Sousa

Vom Fahrer zum Passagier: Automatisiertes Fahren gewinnt weltweit an Akzeptanz

Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren gewinnen weltweit an Akzeptanz. Insbesondere in China und Japan herrscht bereits eine erkennbar große Offenheit gegenüber den Vorteilen des automatisierten Fahrens. Dagegen stehen die Menschen in Deutschland, Frankreich und den USA dem noch abwartend gegenüber. Insgesamt sind die technologischen Möglichkeiten beim automatisierten Fahren weitaus stärker vorangeschritten als die aktuelle Bereitschaft der Fahrerinnen und Fahrer, diese auch zu nutzen. Anders sieht es hingegen bei Fahrerassistenzsystemen aus – hier zeigt sich in allen fünf Ländern eine durchweg große Aufgeschlossenheit im Besonderen gegenüber sicherheitsrelevanten Funktionen. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Continental-Mobilitätsstudie. Dafür hat das Sozialforschungsinstitut infas in den fünf Ländern bevölkerungsrepräsentative Stichproben von jeweils rund 1000 Menschen zu deren Mobilitätsverhalten befragt.


„Das große Vertrauen in Fahrerassistenzsysteme zeigt: Mit ihrer zunehmenden Verbreitung wird auch automatisch das Vertrauen in automatisiertes Fahren wachsen. Unsere Erfahrungen belegen, dass mit der Erlebbarkeit der Funktionen die Akzeptanz steigt. Daher sind ausgiebige Tests wichtig. Erstens braucht es den realen Betrieb, der Menschen die Möglichkeit gibt, eigene Erfahrungen zu sammeln. Zweitens liefern Erfahrungen im realen Straßenverkehr wichtige Erkenntnisse, die in die Weiterentwicklung der Technologie einfließen“, sagt Frank Petznick, Leiter der Geschäftseinheit Fahrerassistenzsysteme bei Continental.


Klares Ergebnis: Die meisten Autofahrer sitzen aus Überzeugung selbst am Steuer des eigenen Wagens. Neue Technologien sind ihnen zwar wichtig. Die Kontrolle voll und ganz abzugeben, ist allerdings für viele Menschen noch nicht vorstellbar. Gerade in Deutschland, Frankreich und den USA gibt eine Mehrheit an, dass sie ungern einer Technologie das Steuer überlassen würde. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten in den drei Ländern findet, dass automatisiertes Fahren zwar nützlich, aber auch ein wenig erschreckend sei. Besonders auffällig ist diese Einschätzung in den USA. Hier blicken 75 Prozent der Befragten mit Sorge auf das Thema, deutlich mehr als in den Vergleichsländern. Dieser Wert hat sich seit dem Jahr 2018 nicht verändert.



Auffällig ist der große Kontrast beim Blick nach Fernost. In China und Japan stehen die Menschen der Technologie wesentlich positiver gegenüber. 91 Prozent (China) beziehungsweise 82 Prozent (Japan) halten das automatisierte Fahren für eine nützliche Entwicklung. 79 Prozent (China) und 67 Prozent (Japan) gehen zudem davon aus, dass die Technologie in den kommenden fünf bis zehn Jahren zum festen Bestandteil des alltäglichen Straßenverkehrs wird. Viel Übereinstimmung herrscht länderübergreifend bei den angegebenen Gründen, die aktuell insbesondere gegen das automatisierte Fahren sprechen: In allen Ländern sagen rund 80 Prozent, dass die Gesetzgebung bisher keinen entsprechenden Rechtsrahmen für die technische Entwicklung auf Herstellerseite geschaffen habe. Aus Sicht der Befragten bedarf es zusätzlich zentraler rechtlicher Leitplanken durch die Politik für den Einsatz im täglichen Straßenverkehr.


Continental treibt die Forschung und Entwicklung im Bereich assistiertes und automatisiertes Fahren entschlossen weiter voran – mit dem Ziel, die Mobilität der Zukunft mit neuen Funktionen und Dienstleistungen noch sicherer, umweltfreundlicher und fahrerzentrierter zu gestalten. Das Technologieunternehmen verfügt bereits heute bei der Entwicklung von Fahrassistenten und Systemen für das automatisierte Fahren über eine starke Position. Im Zeitraum 2018 bis 2020 erhielt Continental Aufträge in Höhe von mehr als neun Milliarden Euro. Mit „Autonomous Mobility“ widmet sich ab 2022 zudem ein eigenständiges Geschäftsfeld innerhalb der Organisation dem Zukunftsthema automatisiertes und autonomes Fahren.


Im Mittelpunkt stehen auch Komponenten und Systeme für fahrerlose Robo-Taxis. Diese werden im Rahmen städtischer Kooperationen – wie seit Frühjahr auf der Gartenschau im bayerischen Lindau, im Sommer als Feldversuch in Tokio und im Herbst in Hamburg im Vorfeld des ITS World Congress mit der Versuchsplattform Continental Urban Mobility Experience (CUbE) – im öffentlichen Raum getestet. Frank Petznick: „Genau solche Ansätze sind es, die den Menschen die Möglichkeiten des automatisierten Fahrens näherbringen und das Vertrauen in die Technologie weiter ausbauen.“



An genereller Technologieoffenheit mangelt es den Menschen in den fünf befragten Ländern nicht, ganz im Gegenteil: Ein Großteil der Menschen in Deutschland, Frankreich, den USA, China und Japan ist heute schon offen dafür, Teilaufgaben wie das Einparken vollständig an Assistenten abzugeben oder sich im Verkehr durch Technologie unterstützen zu lassen, etwa durch einen Abbiegeassistenten. Vor allem die Menschen in China (91 Prozent) begrüßen im Rahmen der Mobilitätsstudie einen Rechtsabbiegeassistenten, der speziell Radfahrer und Fußgänger vor abbiegenden Fahrzeugen schützt. Aber auch in den anderen vier Befragungsländern lässt sich ein großes Interesse an dieser Entwicklung erkennen – mehr als 70 Prozent aller Befragten würden den Abbiegeassistenten im Straßenverkehr nutzen wollen. Dabei machen besonders Japaner ihre Entscheidung vom Preis abhängig.


Im Vergleich der fünf Befragungsländer gefällt speziell in China die Vorstellung, das Einparken komplett einem selbstständigen Assistenten zu übertragen (mehr als 90 Prozent). Zwar möchten auch in Deutschland, Frankreich, den USA und Japan zwischen 62 und 64 Prozent diese Technologie nutzen. Aber in diesen Ländern wird die Entscheidung in einem größeren Maße vom Preis des Assistenzsystems abhängig gemacht. In China spielt der Preis nur für fünf Prozent aller Befragten eine Rolle, in Japan sind es hingegen 21 Prozent.

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