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  • Natalia Sousa

Interview Focus, Oliver Blume, „Gemeinsam können wir alles erreichen“

Oliver Blume ist seit 100 Tagen Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, zusätzlich zu seinem Amt als Vorstandsvorsitzender von Porsche. Wir bekamen die Gelegenheit nachzufragen, wie er diese Doppelfunktion seit 1. September erlebt.


Herr Blume, Ihre Doppelfunktion als Vorstandsvorsitzender der Porsche AG und des Volkswagen Konzerns begann mit einem Paukenschlag: dem Börsengang von Porsche am 29. September. Wir vermuten, dass der erste Monat anspruchsvoll war?

Oliver Blume: Ja, das war er. So ein Projekt erlebt man nur einmal im Leben. Wir haben auf dem Weg zum Porsche-Börsengang im September bis zur allerletzten Minute gekämpft. Lutz Meschke und ich haben jedes mögliche Investorengespräch geführt. Diese Gespräche mussten zu 100 Prozent überzeugen. Der Start am Frankfurter Aktienmarkt markierte dann einen historischen Tag: Die Porsche AG ist zurück an der Börse. Gemessen an der Marktkapitalisierung war es der größte Börsengang in Europa überhaupt. Wir haben uns einen unserer größten Träume erfüllt. Wir sind sehr stolz. Alle haben dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Unser Dank gilt unserer starken Mannschaft, die über Jahre hinweg alles für Porsche gegeben hat. Die Beschäftigten haben sich den zusätzlichen Bonus wirklich verdient.





Hat sich Ihr Pensum nach dem Börsengang einigermaßen normalisiert?

Blume: Ja, das hat es. Seit Oktober arbeite ich in einem eingeschwungenen Zustand. Wichtig war, dass ich bei Volkswagen vom ersten Tag an durchstarten konnte, da ich in den vergangenen Jahren auch schon im Konzernvorstand war. Zusätzliche Zeit habe ich gewonnen, indem ich die Leitung von Konzern Produktion und Konzern Umweltschutz sowie zehn weitere Mandate abgegeben habe. Organisatorisch haben wir den Konzern ab dem ersten Moment startklar aufgestellt.


Auch bei Porsche wurden Verantwortlichkeiten neu zugeschnitten.

Blume: Bei Porsche hat Lutz Meschke als stellvertretender Vorstandsvorsitzender zusätzlich den Vorsitz der Vorstandsausschüsse Digitalisierung und Investitionen übernommen, Produktionsvorstand Albrecht Reimold die Steuerung der Anläufe. Ergänzend wurde der Vorstandsausschuss Porsche Audi Zusammenarbeit (PAZ) an Entwicklungschef Michael Steiner übertragen. Als Team im Vorstand rücken wir noch enger zusammen. Dazu gehört das Wissen, sich in der erstklassigen Mannschaft aufeinander verlassen zu können. Nur dadurch konnten wir unser heutiges Performance-Niveau erreichen. Durch diese Mannschaftsleistung ist Porsche ein derart starkes Unternehmen: agil und hochprofitabel, robust und mit einer Produktvielfalt, die aus unserer Sicht einzigartig im Bereich der Luxusautomobile ist.


Sie betonen die Stärke der Porsche-Mannschaft. Gilt das für alle Bereiche des Unternehmens gleichermaßen?

Blume: Absolut ja. Genau das ist das Besondere an Porsche. Deswegen ist unser Vorstandsteam so einzigartig. Beschaffung und Entwicklungs-Ressort, Finanz- und Mitarbeiter-Ressort, Produktion sowie Vertrieb und Marketing – in allen Bereichen wollen die Teams Höchstleistungen erbringen. Die jeweiligen Vorstände sind gestandene Persönlichkeiten. Alle miteinander zeigen wir auf eindrucksvolle Weise, was unsere besondere Porsche-Kultur ausmacht. Wir halten zusammen – wie in einer Familie. Wir agieren als ein Team – mit Mut und Herzblut. Wir übertreffen uns immer wieder selbst – und sind zurecht stolz darauf, hier dabei zu sein. Gemeinsam können wir alles erreichen.


Die Krisen in der Welt haben vielfältige Auswirkungen auf die Wirtschaft in praktisch allen Ländern. Ist das Unternehmen Porsche in einer anderen Hemisphäre unterwegs?

Blume: Auch wir kämpfen mit Halbleitermangel, steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Aber wir haben Porsche in eine Position gebracht, in der uns Krisenthemen weniger anhaben können. Porsche hat sich in den vergangenen Jahren toll entwickelt. Technologisch fortschrittlich, aber eben auch krisenresistent. Im Jahr 2022 haben wir bis zum Ende des dritten Quartals ein operatives Ergebnis von 5,05 Milliarden Euro erzielt. Das waren 40,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Rendite stieg von 15,5 auf 18,9 Prozent. Die Nachfrage nach unseren Sportwagen ist ungebrochen. Der Auftragsbestand ist auf Rekordniveau. Die Präsentation dieser Neunmonatszahlen fand am Kapitalmarkt hervorragenden Anklang. Der Aktienkurs hat die 100 Euro-Marke geknackt. Wichtig ist auch diese Botschaft: Der Börsengang eröffnet Porsche größere unternehmerische Freiheit. Mit der hinzugewonnenen Eigenständigkeit haben wir die Möglichkeit, noch mehr Geschwindigkeit zu entwickeln. Es ist aber auch mit größerer Verantwortung verbunden.


Bei welchen Themen beschleunigt Porsche jetzt ganz besonders?

Blume: Unser Anspruch ist immer, die richtigen Themen richtig zu machen. Es geht um Fokus, Agilität und Geschwindigkeit. Bestes Beispiel ist unser Doppel-E: E-Mobilität und eFuels. Der Hochlauf der E-Mobilität kommt bei uns so entschieden voran wie bei wenig anderen. Wir streben an, im Jahr 2030 mehr als 80 Prozent unserer Fahrzeuge vollelektrisch auszuliefern. Entsprechend sieht unsere Produktstrategie aus. Der elektrische Macan ist in der Erprobung und soll 2024 zu den Kunden kommen. Außerdem planen wir vollelektrische Versionen für einen Großteil unseres Portfolios, unter anderem den 718 sowie einen neuen vollelektrischen SUV in der Luxusklasse. Gleichzeitig eröffnet im Süden Chiles HIF Global, eines unserer Partnerunternehmen, in das wir investiert haben, gemeinsam mit weiteren Partnern eine der weltweite erste integrierte Pilotanlage zur Herstellung von eFuels. Diese synthetischen Kraftstoffe sind potenziell nahezu CO₂-neutral. Perspektivisch kann jedes Prozent als Beimischung im Kraftstoff von Verbrennerfahrzeugen den CO₂-Ausstoß senken. Und die Produktion von eFuels macht dort Sinn, wo nachhaltige Energie im Überfluss vorhanden ist – wie im Süden Chiles.


Werden Sie angesichts dieser Auswahl auch in Ihrer Doppelrolle „privat“ der Luxusmarke Porsche treu bleiben?

Blume: Natürlich fahre ich weiterhin meinen 911 Targa und den Taycan. Aber ich will alle neuen Produkte des Volkswagen Konzerns selbst testen. Deswegen lege ich bei Volkswagen großen Wert auf die gemeinsamen Abnahmefahrten durch den Vorstand. Ich bin ein absoluter Autofan. Aktuell begeistern mich die sportlichen Modelle von Cupra, auch den ID. Buzz finde ich klasse. Es gibt viele fantastische Fahrzeuge unserer tollen Marken. Dennoch ganz „privat“: Der Taycan ist einfach toll. Du fährst ihn wie den 911. Und meine Töchter loben mich dafür, dass ich nur regenerativ erzeugten Strom verbrauche. Was will ich mehr?


Erlauben Sie abschließend die Bemerkung: Sie wirken sehr fit – wie holen Sie sich die Kondition, die Sie für den doppelten Job benötigen?

Blume: (lacht) Das freut mich, wenn Sie das so sehen. Aber es stimmt, ich fühle mich fit. Das liegt auch daran, dass ich in meinem eng getakteten Wochenplan immer noch eine Lücke finde, um eine Runde zu laufen oder ein Tennis-Match zu spielen. Und sei es spät abends. Dabei kann ich sehr gut abschalten.

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