• Natalia Sousa

Fahrerlos, vollelektrisch, fahrzeugmodellunabhängig – Continental definiert Reifenbremstests neu

Continental hat ein eigens entwickeltes, fahrerloses und vollelektrisches Testfahrzeug für die Messung der Bremsperformance von Pkw-Reifen vorgestellt. Ziel der vollautomatisierten Tests ist, den Bremsweg von Reifen weiter zu verringern und so für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Das sogenannte AVA, kurz für „Analytic Vehicle AIBA“ (Analysefahrzeug AIBA), ermöglicht eine präzise Überwachung der Reibungseigenschaften von Reifen bei Bremsmanövern auf trockener und nasser Fahrbahn. Mit dem AVA verbindet Continental erstmals die Vorteile einer fahrzeugmodellunabhängigen Testmethode mit der kontrollierten und reproduzierbaren Testumgebung des Automated Indoor Braking Analyzer (kurz: AIBA; automatische, wetterunabhängige Bremsanalyse). So können die Reifenexperten von Continental Tests unabhängig von fahrzeug- oder modellspezifischen Eigenschaften durchführen. Damit verfügt Continental über eines der fortschrittlichsten und genauesten Verfahren für Reifenbremstests weltweit. Das hochmoderne und weltweit einzigartige Prüffahrzeug kommt auf dem unternehmenseigenen Testgelände Contidrom, nahe Hannover, zum Einsatz.



Unser Analysefahrzeug AVA unterstützt uns, die Leistungsfähigkeit unser Premiumreifen noch detaillierter zu analysieren und sie gezielt weiterzuentwickeln,“ erklärt Dr. Boris Mergell, Leiter Forschung und Entwicklung des Reifenbereichs von Continental. Ausschlaggebend für die Bremsperformance von Reifen ist die Kraftübertragung zwischen Reifen und Fahrbahnoberfläche. Ebenso wichtig ist sie für das Verhalten während des Kurvenfahrens oder bei Richtungswechseln. „Das Verhalten des Reifens während des Abbremsvorgangs ist essenziell für die Sicherheit des Fahrzeugs im Straßenverkehr, daher betreiben wir großen Aufwand, um sein Verhalten so genau wie möglich analysieren zu können“, unterstreicht Mergell.


Für die Reifenbremstests wird das AVA mit Hilfe eines elektromagnetischen Linearantriebs, der der modernen Achterbahntechnologie entliehen ist, auf eine Prüfgeschwindigkeit von 65 km/h beschleunigt. Dann werden mehrere vollautomatisierte Bremstestmanöver ausgeführt. Das Antriebssystem des AVA ist mit zwei elektrisch angetriebenen Achsen ausgestattet, die von einer Hochleistungsbatterie versorgt werden. Das zur Verfügung stehende hohe maximale Kurzzeitdrehmoment garantiert, dass eine konstante Geschwindigkeit exakt beibehalten werden kann, während die Testreifen der dritten Achse gezielt abgebremst werden können. Das eingebaute Bremssystem des AVA verfügt über Brake-by-Wire-Technologie aus Continentals Automotive-Bereich. Anders als bei herkömmlichen hydraulischen Bremssystemen wird das Bremssignal auf elektronischem Weg übermittelt. Das Ansprechen der Bremse erfolgt besonders schnell und präzise, was essenziell für einen möglichst genauen Test- bzw. Messverlauf ist.



„Unser AVA ermittelt die Kraftübertragung zwischen Reifen und Fahrbahn während unterschiedlicher Schlupfzustände, sogenannter „µ-Schlupf-Kurven“, reproduzierbar und präzise. Mittels modernster Messtechnologie messen wir so alle Kräfte, die während des Bremsvorgangs zwischen Reifen und Fahrbahn wirken. Unsere Reifen und deren verschiedene Mischungszusammensetzungen können wir nun noch präziser miteinander vergleichen und auf ihren besonderen Einsatzzweck hin optimieren“, erklärt Meletis Xigakis, der bei Continental für die weltweiten Reifentests verantwortlich ist. Das AVA kommt in dem im Jahr 2012 in Betrieb genommenen Automated Indoor Braking Analyzer zum Einsatz. Auf der 75 Meter langen Teststrecke können Bremstest auf unterschiedlichen Straßenbelägen stattfinden. Die Hightech-Halle verfügt im klimatisierten Teil über bis zu fünf Fahrbahnen, die hydraulisch gewechselt werden können. In der wetterunabhängigen Einrichtung können bis zu 100.000 Bremsversuche jährlich auf trockener, nasser und sogar vereister Fahrbahn durchgeführt werden. Die Anlage ist in eine 350 Meter lange, bis zu 30 Meter breite Halle integriert.


Insgesamt legen neue Reifenmodelle von Continental vor dem eigentlichen Produktionsstart umgerechnet jährlich rund 25 Millionen Kilometer auf Prüfständen und Teststrecken zurück. Das entspricht 625 Erdumrundungen. Der enorme Aufwand ist gerechtfertigt. Denn er ist das Fundament für die Premiumqualität von Continental-Reifen. Zusammen mit den unternehmenseigenen Teststrecken in Uvalde, Texas (USA) und in Arvidsjaur, Schweden, ist das Contidrom bei Jeversen in der Südheide eines der modernsten Testgelände der Welt. Die Teststrecke nahe Hannover wurde bereits 1967 in Betrieb genommen und seitdem kontinuierlich modernisiert, um den stetig steigenden Anforderungen an Reifenversuche Rechnung zu tragen.



Das Contidrom wurde von der international besetzten Jury des Automotive Testing Technology International Award 2013 als „Proving Ground of the Year“ ausgezeichnet. Von vielen Kunden in der Automobilindustrie wird es deshalb als Referenz betrachtet. Auf einer Gesamtfläche von 160 Hektar bietet das Testgelände alle erdenklichen Möglichkeiten der Reifenerprobung. Auf rund zehn Kilometern Strecke mit unterschiedlichsten, teils bewässerten, Fahrbahnoberflächen und des legendären Rundkurses mit Steilkurven werden Geschwindigkeiten über 250 Kilometer pro Stunde erzielt. Hinzu kommen Strecken, die zur Erprobung von Fahrwerkselementen dienen. Im Lauf des Jahres 2022 wird Continental auf dem Contidrom einen neuartigen dynamischer Fahrsimulator in Betrieb nehmen, der exakte fahrdynamische Parameter der Reifen und die des jeweiligen Testfahrzeugs berechnen kann. Er vermittelt den professionellen Testfahrern von Continental die gleichen subjektiven Fahreindrücke wie Reifentests auf der Teststrecke.

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