• Thomas Fone

Der MBUX Hyperscreen ist zugleich Gehirn und Nervensystem des Autos

Doppelinterview zu MBUX (Mercedes-Benz User Experience)



Gorden Wagener, 52, trat 1997 in das Unternehmen ein und leitet seit Mitte 2008 den weltweit tätigen Designbereich der Daimler AG. Unter seiner Leitung wurde 2009 unter anderem eine neue Design-Strategie für Mercedes-Benz entworfen, die kontinuierlich weiterentwickelt wird. Mit Wirkung zum 1. November 2016 hat der Vorstand der Daimler AG Wagener zum Chief Design Officer ernannt. Wagener hat zunächst an der Universität Essen Industrial Design studiert, bevor er sich am Royal College of Art in London auf Transportation Design spezialisierte.


Sajjad Khan, 47, ist Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz AG. Er verantwortet die Entwicklung in den Bereichen Connectivity, Autonomous, Shared & Services und Electric. Nach einem Masterabschluss in Information & Communication Technology mit dem Schwerpunkt Produktentwicklung sowie ersten internationalen Projekten in der Industrie, trat er im Jahr 2001 in die damalige DaimlerChrysler AG ein. Dort arbeitete er an verschiedenen Projekten im Bereich Infotainment.


Herr Wagener, Herr Khan, die neue MBUX Generation kann mehr, weiß mehr, sagt mehr: Wann haben Sie das letzte Mal „Hey Mercedes!“ gesagt? Und, wenn es nicht zu indiskret ist, was waren Ihre Wünsche oder Fragen an den Sprachassistenten?


Wagener: Das ist keine 15 Minuten her, auf der Fahrt ins Büro. Wenn ich MBUX nutze, dann intuitiv, ich muss nicht darüber nachdenken, ob und wie. Das ist tatsächlich die Denke der Generation meiner Eltern: möchte ich Technologie nutzen? Es ist heute gänzlich anders, die Verschmelzung von Technik und Design macht es so einfach: ich möchte diese Technologie benutzen. Wenn Technik viel kann, ich mir die Nutzung aber erarbeiten muss, bleibe ich immer auf Distanz. Unser Erfolg basiert auf dem Gedanken, dass es genauso top funktionieren muss, wie es aussieht.

Khan: Bei mir war es ähnlich wie bei Gorden, auf dem Weg ins Büro. Ich war mir nicht sicher, ob ich zuhause im Wohnzimmer das Licht ausgemacht habe. Und so habe ich dank der MBUX Smart-Home-Funktion über Hey Mercedes mal kurz zuhause gecheckt, ob das Licht an oder aus war. Und genau darum geht es bei innovativer und intuitiver Technik – sie unterstützt mich, macht mir das Leben leichter und spart mir damit Zeit.

Im Januar 2018 haben Sie in Las Vegas auf der CES die erste MBUX Generation präsentiert. Wie war das, als Automobilhersteller auf einer Messe für Unterhaltungselektronik das Fahrzeug-Cockpit der Zukunft vorzustellen?


Khan: Die Tage um die Weltpremiere von MBUX in Las Vegas waren für mein Team und mich eine ausgesprochen spannende Zeit. Werden wir rechtzeitig mit der umfangreichen Programmierung fertig? Klappt bei der Live-Demo in den Sitzkisten alles? Und werden die Journalisten erkennen, welches Potenzial in MBUX steckt? Aber wir hatten das Glück des Tüchtigen: Alles hat wunderbar funktioniert, und die Medienvertreter und das Publikum waren begeistert. Nur vier Monate später kam die neue A-Klasse als erstes Modell mit MBUX auf den Markt. Inzwischen sind mehr als 1,8 Millionen Pkw von Mercedes-Benz damit unterwegs, und auch der Van-Bereich setzt auf MBUX. Ein neuer Mercedes ohne MBUX ist schon jetzt nicht mehr denkbar. An die absolute Erfolgsstory knüpfen wir jetzt mit der zweiten MBUX Generation an …

Wagener: Die Messe in Las Vegas war genau der richtige Ort für die Weltpremiere von MBUX: Das Kürzel CES steht zwar für Consumer Electronics Show, aber die CES hat sich zu einer wichtigen Tech-Messe entwickelt. Das spiegelt die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung aller Lebensbereiche wider. Meine Designkollegen in unseren vier internationalen Designstudios spüren wie Seismographen weltweit genau solche Trends auf und lassen sich durch neue Ideen aus anderen Kontinenten und Kulturen inspirieren, ihr Arbeitsfeld ist die Zukunft. Ein CES-Besuch war da schon immer sehr inspirierend, gerade was Themen wie User Experience oder Trends wie „Fit & healthy“ anbelangt.

Mit dem 3D-Fahrer-Display mit echter Tiefenwirkung, dem großen Head-up-Display mit Augmented-Reality-Inhalten wie animierten Abbiegepfeilen und der biometrischen Authentifizierung hat MBUX jetzt einen weiteren großen Schritt in Richtung Digitalisierung und künstlicher Intelligenz gemacht. Und, wenn man so will, könnte man sagen, mit dem MBUX Hyperscreen hat jetzt sogar der Riesen-Fernseher den Weg ins Auto gefunden. Welches sind für Sie die Highlights der neuen MBUX Generation?


Khan: Klar habe ich persönliche Favoriten, und dazu gehört unbedingt der riesige MBUX Hyperscreen im EQS. Mit seiner einzigartigen Elektro-Ästhetik und der hohen Benutzerfreundlichkeit steht er stellvertretend für den gesamten Charakter des EQS – avantgardistisch, cool, persönlich und useful – das deutsche Wort „praktisch“ trifft es einfach nicht so perfekt wie der englische Begriff. Aber es ist mir sehr wichtig, nicht nur von einzelnen Hardware-Komponenten von MBUX zu sprechen. Entscheidend sind auch die clevere Vernetzung aller Systeme und die lernfähige, intelligente Software. Unsere MBUX Philosophie besteht darin, unseren Kunden ein Maximum an Komfort, Personalisierung und Annehmlichkeiten zu bieten. Ein System, das noch mehr ins Detail geht, durchdachter und individueller ist als je zuvor. Der Vorteil für unsere Kunden: Dank der optimierten Benutzerfreundlichkeit sparen sie Zeit und bekommen einen hohen Mehrwert. MBUX wird zum Rückgrat oder sogar zum zentralen Gehirn des Fahrzeugs.

Wagener: Mit MBUX war unser Ziel, das begehrenswerteste automobile Infotainmentsystem zu schaffen. Wir haben die Bipolarität unserer Designphilosophie Sensual Purity auf MBUX übertragen - das heißt, auf der einen Seite die sinnliche Schönheit und auf der anderen den ‚Wow-Effekt‘ der einzigartig intuitiven Bedienung. Und beim EQS als Vertreter des Progressive Luxury durften wir noch etwas moderner, mutiger und polarisierender sein. Übrigens auch im Exterieur, aber das nur nebenbei bemerkt. Ich sehe das wie Sajjad, auch mein absoluter Favorit im Innenraum ist der MBUX Hyperscreen. Wir haben damit ein neues Interface erfunden, das Design und Technologie zusammenführt. Der MBUX Hyperscreen wurde geboren: ein digitales Stück Kunst, eine futuristische, luxuriöse Skulptur und auch eine gewaltige technologische Herausforderung.

Aber digitale Schönheit ist nur ein Aspekt von MBUX, oder? Inwiefern konnte die ausgeprägte Bedienfreundlichkeit von MBUX noch weiter gesteigert werden?


Wagener: Wir inszenieren Technologie durch Design auf eine Weise, die Spaß macht und gleichzeitig wunderschön ist. Und die vor allem intuitiv zu bedienen ist. Denn entscheidend neben cooler Hardware sind ebenso der Content und das Handling, also das, was wir auf der Bildschirmeinheit zeigen und wie es vom Kunden genutzt werden kann. Dabei haben wir einen hohen optischen Anspruch, mit superfein herausgearbeiteten Details. Und unser sogenannter Zero-Layer ist eine weitere Erleichterung bei der Bedienung. Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Interaktionen kann man auf einer einzigen, der obersten Ebene bedienen. Man muss nur noch selten in Untermenüs eintauchen und verkürzt damit die Interaktionszeit. Das ist eine Fortführung der intuitiven Bedienung und gehört zur ‚emotionalen Intelligenz‘ unserer Marke Mercedes-EQ.

Khan: Ja, der MBUX Hyperscreen ist zugleich Gehirn und Nervensystem des Autos, er ist verbunden mit allen Komponenten des Fahrzeugs und kommuniziert mit ihnen. Dadurch ist eine neue Form der Interaktivität und Individualität möglich. Denn der Kunde steht im Zentrum der Entwicklung. Wir haben das Kundenfeedback der ersten MBUX Generation analysiert und uns gefragt: ‚Was brauchen die Menschen und wie interagieren sie im Auto? Speziell in einem Elektroauto?

Ziel war ein Konzept ohne Ablenkung des Fahrers oder komplizierte Bedienung. Und es musste lernfähig dank künstlicher Intelligenz sein: Der MBUX Hyperscreen lernt den Kunden immer besser kennen und liefert dadurch ein maßgeschneidertes, personalisiertes Infotainment- und Bedien-Angebot, bevor der Passagier irgendetwas klicken muss. Es ging uns nicht darum, den größten Bildschirm aller Zeiten in einem Auto zu konstruieren. Sondern wir haben spezielle Bildschirme mit einem perfekten Verhältnis von Größe und Funktionalität für größtmögliche Benutzerfreundlichkeit entwickelt. Das ist Kundenorientierung und digitales Denken 2021!

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